„Ist das nicht reichlich dilettantisch?“, fragte mich damals die Geschäftsführerin eines großen Medienhauses beim Vorstellungsgespräch. Gerade sprachen wir über meinen Lebenslauf und die Tatsache, dass ich neben dem Studium noch ein Buch geschrieben hatte, eine Trainerausbildung und eine Weiterbildung gemacht hatte und im Master dann mein Studienfach komplett gewechselt habe, um noch einmal etwas Neues zu lernen. Da fragte mich diese Frau doch allen Ernstes, ob es nicht „dilettantisch“ sei, so viele verschiedene Sache gemacht zu haben.

In dem Moment war mir klar: Wir passen nicht zusammen. Denn, das, was sie dilettantisch fand, ist Teil meiner Persönlichkeit und etwas aus dem ich meine Kraft schöpfe. Deswegen kann ich es auch heute nicht nur bei einem Projekt belassen, auch, wenn immer mal wieder jemand fragt, ob ich mich nicht (erst mal) auf eine Sache beschränken möchte. Nein, möchte ich nicht. Du magst das dilettantisch finden, – ich finde, es ist ein Ausdruck meiner multipassionierten, interessierten, kreativen und auffassungsstarken Persönlichkeit. Etwas, worauf ich heute sehr stolz bin, doch das war nicht immer so.

Warum junge Frauen wenig gute Vorbilder haben

Wann ich mir denn endlich einen Job suchen möchte, höre ich immer mal wieder von Menschen aus meiner Umgebung. Das was ich da mache, das ist doch nichts richtiges. Einen Job zu haben, brav jeden Morgen ins Büro zu gehen und schön die Aufgaben ausführen, welche mir mein (meistens immer noch männlicher) Chef vorsetzt – um dann abends aus der Arbeit nach Hause zu kommen, um meinem Mann ein schmackhaftes Abendessen zu servieren. Nebenher schaukele ich noch Kind, Haushalt und Einkauf. Sich selbst verwirklichen, die eigene Chefin sein zu dürfen, flexible Arbeitszeiten und Home Office – da wird man immer noch von der Gesellschaft mit schiefen Augen angeschaut. „Ja, das ist ja auch praktisch mit dem Kind“, sagen die Leute manchmal, wenn ich sage: „Ich bin selbstständig. Ich arbeite von zu Hause aus.“ und ich frage mich dann immer, ob es anders wäre, wenn ich kein Kind hätte, ob es anders wäre, wenn ich die Hauptverdienerin bei uns zu Hause wäre, ob es anders wäre, wenn ich ein Mann wäre?

Eigentlich wusste ich immer schon, dass ich keinen „ganz normalen“ Job machen wollte. Wenn mich als Kind jemand fragte, was ich einmal werden möchte, konnte ich nicht antworten, weil mir so viele Dinge im Kopf herum schwirrten und ich am liebsten alles gemacht hätte. „Du musst dich entscheiden“, sagten die Leute dann gerne. „Such dir einen sicheren Job“, erklärten die Älteren meistens. „Aber, was macht man denn später mal damit?“, fragten sie bei der Studienwahl und richteten verzweifelt ihre Augen gen Himmel: „Willst du als Taxifahrerin arbeiten?“

Vielleicht bin ich deswegen erst einmal den ganz normalen Weg gegangen mit Studium, Praktika und nach meinem zweiten Studien-Abschluss dann eine sichere Anstellung im Job. Erst als ich, kurze Zeit darauf, Mutter geworden bin, habe ich mich getraut, auszubrechen und meinem Herzen zu folgen. Das Mutter Sein hat mir vor Augen geführt, was wirklich wichtig ist, das Mutter Sein hat mich unendlich mutig gemacht und mir gezeigt, worum es wirklich im Leben geht: Es geht darum, dass ich glücklich bin. Um nicht mehr und auf keinen Fall um weniger.

Natürlich habe ich auch Momente, in denen ich denke: Es wäre alles so viel einfacher, wenn ich angestellt wäre und das Gehalt immer pünktlich Ende des Monats auf meinem Konto landen würde. Dem Gegenüber steht meine Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit: Ich kann jeden Tag ganz ich selbst sein, meine Talente und Fähigkeiten kombinieren, mich ganz auf mich selbst verlassen, meinen Tag gestalten, wie ich es will und mich den Zielen widmen, die mir wirklich wichtig sind.

Zum Glück gibt es Menschen, die mich darin unterstützen, die Vision meines Lebens auch tatsächlich leben zu können – und ich bin damit in wunderbarer Gesellschaft von anderen traumhaften Business-Ladies!

Die Welt verändern

Ich kann mit meiner Arbeit die Welt verändern. Die Welten von Einzelnen in Coachings und mit unserer Vision hier bei business.life.balance die Art, wie Frauen zusammenarbeiten und sich ihre ganz eigenen Welten erschaffen. Meine Vision ist groß, sie trägt mich jeden Tag durch meinen Tag und lässt mich mein Leben jede Sekunde genießen, weil ich immer genau weiß, wofür ich etwas tue und wofür ich jeden Tag sehr hart arbeite und Überstunden mache und viel Schweiß, Tränen und Schlaf opfere. Ich glaube daran, dass wir alle unsere Träume verwirklichen dürfen – ich bin zutiefst überzeugt davon, dass wir in einer Zeit leben, die sich weg entwickeln wird vom klassischen nine-to-five-job, hin entwickeln wird zu Menschen, die ihre großen und kleinen Visionen verwirklichen – Menschen, die ihr Licht scheinen lassen und ihre Energie und ihr Potenzial für etwas einsetzen, das einen positiven Einfluss auf unser aller Leben haben darf.

Was wirklich wichtig ist

Immer noch werden zu viele junge Mädchen zu angepassten Frauen erzogen, die glauben, dass es keine weiblichen Superheldinnen geben darf und die lieber im stillen Kämmerchen vor sich hin flimmern, als in der Öffentlichkeit in allen ihren Farben zu strahlen. Weißt du, was wirklich wichtig ist? Du selbst. Du selbst bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Weißt du, was du jetzt brauchst? Ein Netzwerk, wie unseres und Vorbilder, wie diese eigentimmig-Frauen. 

Worüber würdest du ein Buch schreiben?

Etwas Gutes habe ich aber doch aus diesem Vorstellungsgespräch mitgenommen, die Dame wollte nämlich zum Ende hin, von mir wissen: „Wenn Sie ein Buch schreiben würden, wovon würde es handeln?“ Meine Antwort heute ist die selbe, wie sie auch damals gewesen ist:

Wenn ich heute ein Buch schreiben würde, dann wäre die Protagonistin eine junge Frau Anfang 20, die sich auf die Suche nach ihrer wahren Bestimmung macht. Auf diesem Weg würde sie erkennen, dass die Antwort in ihr selbst liegt und sie diese bereits seit Kindertagen kennt, sie hatte sie im Laufe ihres Erwachsenwerdens einfach nur vergessen, weil in der Gesellschaft, in der sie aufwuchs, kein Platz war für Entfaltung, Wachstum und das Licht der Einzelnen. In dem Moment, in dem die junge Frau erkannt hatte, dass es ihre wahre Bestimmung ist, ihr Inneres, ihr ganzes Sein, ihr helles Licht, ihre ganze wundervolle Persönlichkeit zu zeigen und zu leben, würde sie genau dieses in die Welt hinaus tragen und anderen jungen Frauen das Vorbild sein, welches sie gerne gehabt hätte, als sie aufgewachsen ist. Damit hätte das Buch auch schon einen Titel: Be who you needed, when you were younger. (Der Titel ist inspiriert von Edition F und der Female Future Force Veranstaltung vor ein paar Wochen. Danke dafür.)